
Vom Arbeiterwohnhaus zum offenen Kultur- und Gemeinschaftsort
Ort: Leipzig
Grundstücksgröße: 150 m²
Gebäudezahl: 1
Das Pöge-Haus wurde im späten 19. Jahrhundert als Wohnhaus für Arbeiter:innen erbaut und nach der Firma Pöge-Druck benannt, die dort bis 1994 ansässig war. In den späten 1980er Jahren lebten in dem Gebäude auch Angehörige der DDR-Opposition. Nach einer Phase des Leerstands begann 2009 eine künstlerische Wiederbelebung durch verschiedene Akteur:innen. Daraus entstanden der Pöge-Haus e.V. und die Kultur- und Wohnprojektgesellschaft Leipzig Neustadt mbH, die das Gebäude 2012 erwarben und 2014 nach Sanierung wiedereröffneten.
Heute wird das Pöge-Haus gemeinschaftlich von Bewohner:innen, Ateliernutzer:innen, Vereinsmitgliedern und weiteren Engagierten verwaltet. Das Gebäude dient als Raum für kulturelle, soziale und künstlerische Aktivitäten. Entscheidungen über Nutzung und Projekte werden transparent und im Dialog getroffen. Durch regelmäßige Diskussionen und gemeinsames Handeln bleibt das Haus ein lebendiger Ort der Beteiligung, an dem gemeinschaftliches Engagement und kulturelle Vielfalt den Alltag prägen.
Das Pöge-Haus ist ein lebendiger, offener Raum für kreative, gesellschaftliche und nachbarschaftliche Vielfalt. Regelmäßig finden niedrigschwellige — häufig kostenfreie oder spendenbasierte — Kunst- und Kulturangebote statt: von Graffiti-Workshops über Druck- und Zeichenformate bis hin zu Filmabenden, Märkten oder Konzerten. Gleichzeitig werden Diskussionsrunden und Workshops zu sozialen und politischen Themen angeboten – etwa zu Diversitätserfahrungen, Stadtentwicklung oder Teilhabe.
Das Haus versteht sich als Plattform für gesellschaftliches Engagement und möchte ein offenes, vielfältiges, ökologisches und soziales Miteinander im Stadtteil und darüber hinaus fördern. Durch die Nutzung öffentlicher Räume, durch Veranstaltungs- und Ausstellungsformate, durch Begegnung im Viertel und gemeinsames Gestalten wird nachbarschaftliches Miteinander gestärkt.
In der Gemeinschafts- und Veranstaltungsstruktur sind Bewohner:innen, Ateliernutzer:innen, Vereinsmitglieder und Ehrenamtliche aktiv beteiligt — nicht allein als Nutzende, sondern als Mitgestaltende. Das Pöge-Haus bietet engagierten Personen und Initiativen Raum für die Umsetzung eigener Projekte und schafft zugleich Möglichkeiten, sich aktiv einzubringen und an gesellschaftlichen Entwicklungen mitzuwirken.
Das Pöge-Haus entfaltet im Leipziger Osten eine deutliche regionale Wirkung, die weit über die Grenzen des Stadtteils hinausreicht. Als offener Kultur- und Begegnungsort trägt es wesentlich zur sozialen und kulturellen Belebung der Leipziger Neustadt bei. Durch niedrigschwellige, häufig kostenfreie oder spendenbasierte Angebote ermöglicht das Haus einer breiten Bevölkerung den Zugang zu Kunst, Kultur und Bildung. Dadurch werden Nachbarschaften gestärkt, unterschiedliche Bevölkerungsgruppen miteinander in Kontakt gebracht und gemeinschaftliche Teilhabe gefördert.
Zugleich fungiert das Pöge-Haus als wichtiger Anker für die freie Kunst- und Kulturszene im Leipziger Osten. Künstler:innen, Vereine und Initiativen nutzen die Räume zur Umsetzung eigener Projekte und kultureller Produktionen. Diese Struktur stärkt die regionale Kreativwirtschaft und vernetzt Akteur:innen aus unterschiedlichen Bereichen. In Kooperation mit Institutionen wie dem Netzwerk Leipziger Freiheit, der Kulturloge Leipzig, dem Leipziger Ecken Portal oder der Stiftung Bürger für Leipzig entstehen Formate, die gesellschaftliches Engagement, Nachbarschaftsarbeit und kulturelle Bildung miteinander verbinden.
Darüber hinaus wirkt das Pöge-Haus als Impulsgeber für gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung. Als Projekt, das Kultur, Politik und Stadtteilarbeit miteinander verknüpft, zeigt es beispielhaft, wie zivilgesellschaftliches Engagement leerstehende Gebäude in nachhaltige Orte des Zusammenlebens verwandeln kann. Die aktive Zusammenarbeit mit städtischen Partner:innen wie dem Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW) oder dem Soziale-Stadt-Programm Leipziger Osten verdeutlicht diesen Ansatz.
Durch seine Netzwerke und Projekte trägt das Pöge-Haus außerdem zur regionalen Wissensvermittlung und zum Austausch zwischen Akteur:innen bei. Kooperationen mit Bildungseinrichtungen, Nachbarschaftsinitiativen und kulturellen Trägern ermöglichen einen Wissenstransfer, der die Entwicklung weiterer partizipativer Projekte im Leipziger Raum anregt. Damit ist das Pöge-Haus heute nicht nur kultureller Treffpunkt, sondern ein relevanter Motor für soziale Innovation, kulturelle Teilhabe und nachhaltige Stadtentwicklung in der Region Leipzig.
Gründer:innen:
Maren Herzberg, Geschäftsführung
Anika Strümper, Vorstandsmitglied
Lage: Orts- oder Stadtkern
Infrastruktur
Denkmalschutz: Nein
Bewohner:innen/Größe: Groß (ab 31 Personen)
Organisationsform: Verein
Adresse: Hedwigstr. 20, 04315 Leipzig
E-Mail: